Bin ich schön (genug)?

Kürzlich war ich zu einer Fortbildung im Rahmen von Yoga und Tanz. Ich fand mich in einer Gruppe von Zwanzigjährigen wieder, welche nach meinem ersten Eindruck alle körperlich sehr beweglich als auch leistungsfähig waren... und alle so hübsch und knackig. Dagegen kam ich mir alt, wenig belastbar und welkend vor. Scham überkam mich mit einer Flut von Gedanken á la „bestimmt fragen die sich, was ich hier will“ oder „die denken bestimmt, ich halte mich für jung und glaube, ich gehöre hier her und deswegen schämen die sich für mich mit, weil ich es nicht merke“.
Meine Beteiligung an der Fortbildung beschränkte ich daher aus lauter Pein am ersten Tag auf den Unterricht und vermied jeden persönlichen Kontakt.
Ich hatte Angst auf Abneigung zu stoßen, sowie deren Fremdschämen und Zweifel zu bemerken.

Am zweiten Tag  gab es eine Einheit, die als Paararbeit strukturiert war, wobei ich bemerkte, dass meine Partnerin nicht komplett in die Schublade passte, welche ich beschriftet hatte mit: in den 20ern, professionelle Tänzerin mit entsprechend trainiertem Körper. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich ein sehr angenehmer und zugewandter Kontakt, den wir beide in den Pausenzeiten aufrechterhielten.

Mit dieser sozialen Wärme und dem Eindruck einer Person zumindest in der Gemeinschaft willkommen zu sein, da gelang es mir auch, mich meiner Scham zu stellen.
Was genau war mir peinlich und wovor wollte mich meine Scham bewahren?
Dabei erkannte ich, dass es mir wichtig war, meine Leistungsfähigkeit verantwortungsvoll abzuschätzen und mich nicht zu übernehmen, indem ich aus falschem Ehrgeiz versuchte all das zu schaffen, was die jungen Tänzer können. Vieles an meinen Gedanken wies mich auf Grenzen hin in Form stimmiger Selbsteinschätzung, wer ich bin und was ich kann und wozu ich an der Fortbildung teilnahm. Mit der Klarheit über meine Absichten und meine Motivation zur Teilnahme löste sich eine Spannung in mir. Ich konnte einen inneren Wettbewerb in Form eines mich mit den anderen Teilnehmern-vergleichens abstreifen wie einen schweren Mantel. Erleichtert von dieser Last nahm ich in den Pausen am Tisch der anderen Teilnehmer Platz, wagte Gespräche und bemerkte, wie sie sich mehr und mehr als „normale Menschen“ entpuppten. Aus einer Gruppe von wunderschönen Tänzern wurde eine Gruppe von Menschen, mit denen ich hoffentlich zu einem anderen Zeitpunkt mal wieder zusammentreffe!